Gedanken zur Bekanntschaftssucht
Posted in Gedanken by admin on April 11th, 2008
Noch einmal muss ich auf meine Bekanntschaftssucht eingehen. Dabei muss ich erwähnen, dass ich glaube, diesen Begriff erfunden zu haben. Anfangen möchte ich den Text mit Entdeckung meiner Sucht. Wie und ob es danach weiter geht, weiss ich noch nicht.
Erkannt und benannt habe ich das Problem auf meiner Reise im Jahre 2007. Auf jener Reise habe ich eine Vielzahl an Menschen kennen gelernt, wie nie zuvor in meinem Leben, in einem vergleichbaren Zeitraum. Vom ersten Tag an, hatte mich diese Tatsache fasziniert. Ich kam ins Gespräch mit all diesen wunderbaren und interessanten Menschen welche aus allen Winkeln dieser Erde herkamen. Ich verglich, favorisierte, schloss andere aus und studierte. Vor allem studierte ich die Menschen, ihre Gesichter, ihre Körper, ihre Eigenschaften und Charakter.
Und ich treffe Menschen in Bussen, Zügen, auf Schiffen, in Hotels, in Restaurants, auf Wanderungen und Ausflügen, auf Bergen, an Seen und am Meer. Und all diese Menschen, diese verschiedenen Menschen, sind ein Segen für mich, den Süchtigen. Wie im Rausch begebe ich mich von einer Bekanntschaft zur nächsten. Im Rausch scheint die Welt in ordnung, ich lasse mich von ihm tragen und führen.
Doch dann kommt das bittere erwachen, wie ein Morgen nach der Nacht im Alkoholrausch. Dieses Erwachen zeigt sich jedoch nicht durch körperliche Schmerzen, sonder durch die Menschen. Bekanntschaften zeigen sich wieder, wollen Bekanntschaften sein, Freundschaften sogar. Dies mag dann auch einige Tage gut gehen, doch dann komme ich wieder an meinem Punkt an, wo meine Sucht nach neuen Geschichten, neuen Gesichtern, neuen Gesten und neue Gesprächen verlangt.
Und wärend ich noch darüber nachdenke, wie ich nun zu neuen kurzfristigen Bekanntschaften kommen und wie ich die bereits Kurzfristigen nicht zu Langfristigen werden lassen kann, ziehen die schönsten Landschaften der Erde an meinen blinden leeren Augen vorbei. Und anschliessend werde ich mich fragen, ob ich für eine Reise in mich selbst wirklich so weit reisen musste.
Heute bin ich mir sicher, dass der Ort keine Rolle gespielt hat. Einzig allein der Überfluss an neuen Bekanntschaften, war für meine Erkenntnis verantwortlich. Wieder in der Heimat, war es unschwer zu erkennen, dass mir die vielen neuen Bekanntschaften fehlen.
Im weiteren möchte ich nun noch auf eine weitere Sucht eingehen. Meine Sucht nach Geborgenheit und deren Abhängigkeiten mit der Bekanntschaftssucht, welche geradezu in erbittertem Kampf zu einander stehen. Sie stehen in sofern miteinander im Kampf, da si sich eigentlich gegenseitig ausschliessen. Geborgenheit verlangt nach Vertrauen und Vertrauen braucht Zeit. Dem gegenüber steht die Bekanntschaftssucht mit Zeitdruck und Oberflächlichkeit. Somit stehe ich immer wieder vor fast unmöglichen Entscheidungen, bei welchen die Geborgenheit früher oder später immer als Verlierer ausgeht. Und so kommt es immer wieder zu schmerzhaften Trennungen, welche ich nicht erklären kann und welche für die Menschen nicht zu verstehen sind.
Oft habe ich das Gefühl die Geborgenheit könnte gewinnen. Doch dann wird sie zur Gewohnheit und ich höre schon die Lust nach neuem in mir schreien. Und so gebe ich mich dann dem Drang her, bis mich eine Geborgenheit wieder einige Tage oder Wochen halten kann.
Soviel zum zweiten Teil Bekanntschaftssucht.



