Ein hoffnungsloser Versuch zu schreiben

Reise in die Kindheit

Posted in Geschichten by admin on January 5th, 2009

Familie Weibel, ich läute, die Klingel ist nicht mehr die selbe, moderner, in einem langweiligen grauen Farbton und mit einheitlicher Beschriftung, nicht mehr von Hand geschriebene Zettelchen. Die Türe öffnet sich, es ist noch die selbe. Das hölzerne Treppenhaus, mit seinen sparsamen Verzierungen kommt mir nicht mehr sonderlich bekannt vor. Ich steige hoch in den 3. Stock. Am Licht scheint sich nichts geändert zu haben, es ist düster und man sieht die Stufen kaum. Ob Schaffners noch da wohnen? An der Türe im 2. Stock gibt es kein Schild, womöglich sind sie noch hier.

3. Stock, neben der Türe steht ein Schuhregal, es müssen wohl zwei oder drei Kinder hier wohnen. Durch einen Spalt zwischen Türe und Rahmen schaut mich verwundert eine Junge Frau an. Sie ist blond und etwas kleiner als ich. Ja? Fragt sie mich. Ich begrüsse sie und sage ihr meinen Namen. Ich habe mal genau hier in ihrer Wohnung gewohnt, sage ich ihr, interessiert öffnet sie die Tür ein wenig mehr. Entschuldigen sie die Störung, ich wohnen seit langer Zeit im Ausland und bin auf Besuch in meinem alten Leben und da habe ich mir gedacht, so komisch das auch klingen mag, ich könnte mich ein wenig auf den Spuren meiner Kindheit bewegen. Da hinten rechts war unser Kinderzimmer, dann die Wohnstube, das Elternschlafzimmer, das Bad und da ganz links die Küche. Und das alte Telefon links im Gang an der Wand, ich brauchte immer einen Stuhl um es zu erreichen. Da hängt es jetzt noch, sagt sie und bittet mich herein.

Überrascht und zugleich von einem komischen Gefühl über kommen, trete ich ein. Das Telefon ist tatsächlich noch das selbe. Sofort erinnere ich mich an einen Sturz vom Stuhl, als ich einmal den Hörer abhob. Ich erzähle es ihr und auch dass ich es danach nicht zugab, obwohl man es durch die Leitung gehört hatte. Sie lachte ein wenig.

Wissen sie, ich schreibe, sage ich ihr. Ich schreibe oft Geschichten aus meiner Kindheit, aber es wird immer schwieriger sich zu erinnern. Ja so geht es uns allen, sagt sie. Und dann stehen wir auch schon in der Küche, die Küchengeräte sind neuer, man braucht keine Streichhölzer mehr für den Herd. Nur eine Spühlmaschine gibt es immer noch nicht. Sie bietet mir einen Kaffee an, doch ich hänge mit meinen Gedanken schon ganz wo anders und betrachte die Birke im Garten, welche mir noch mächtiger vorkommt als damals. Ob man sie damals hier aus der Küche sah? Ich weiss es nicht mehr.

Oh, ja gerne, einen Kaffee wäre sehr nett, darf ich mir einen Blick in den Garten, von der Terrasse aus genehmigen? Natürlich. Ich glaube es sieht aus wie damals, nur ohne den kleinen runden Marmortisch und den Holzstuhl mit dem schwarz und weiss bestickten Überzug. Die Terrasse ist von alten Fenstern umschlossen, sie wirken immer noch so zerbrechlich wie damals und wenn man mit dem Finger draufdrückt, knirschen sie lustig. Wie oft hatte ich diese Fenster mit Fingerfarben bemalt, im Winter mit Schneeflocken und Schneemännern und im Sommer mit Sonne und Blumen.

Sie fragt nochmal nach meinem Namen und es scheint mir, als überlege sie, ob sie mich vielleicht kenne. Sie ist nicht viel jünger als ich, wer weiss, vielleicht gingen wir in die selbe Schule. Sie fragt wo ich wohne und wie es dazu kam und was mich die Leute sonst noch so fragen, welche immer in der Schweiz gewohnt haben. Ich gebe ihr bereitwillig Antwort, schliesslich bin ich Gast. Wir unterhalten uns ein wenig und stossen noch auf gemeinsame Bekannte.

Dann habe ich genug und frage sie, ob ich nicht noch einen Blick ins Wohnzimmer werfen dürfe. Sie willigt ein und ich folge ihr in die Stube. Es ist ähnlich eingerichtet wie es bei meinen Eltern war, wahrscheinlich mangels Alternativen, der Platz ist begrenzt.

Minuten später stehe ich wieder draussen. Die andere Strassenseite scheint eine andere Welt zu sein. Die modernen neuen Häuser wollen so gar nicht ins Bild meiner Erinnerung passen. Aber daran muss ich mich wohl gewöhnen.

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2 comments to " Reise in die Kindheit "

  1. Scala says:

    Sehr schön geschrieben!
    Ich schwelge auch gerne in Kindheitserinnerungen :)
    Ich hoffe Du bloggst weiter.
    Liebe Grüße

    July 27th, 2009 at 1:27 pm

  2. admin says:

    Danke für den Kommentar.
    Ich werde bestimmt noch weiterbloggen. Dauert allerdings noch eine Weile…

    July 27th, 2009 at 10:52 pm

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