Ein hoffnungsloser Versuch zu schreiben

Martini ohne Olive

Posted in Gedanken, Geschichten by admin on May 3rd, 2008

Einst träumte ich davon mein Leben neu zu erfinden, einfach um es etwas spannender zu machen, um interessant zu sein. Um in einer Gruppe von Zuhörern zu stehen, zu erzählen und alle würden mir gespannt zuhören, würden über meine Abenteuer aus fremden Ländern staunen. Oder vielleicht würde ich ihnen erzählen, wie ich einst als Handwerker arbeitete, gleichzeitig studierte und als ich genug von den schmutzigen Fingern hatte, als Verkäufer in einer Versicherungsagentur arbeitete. Und noch bevor ich mein Studium beenden konnte, verliebte ich mich Hals über Kopf in eine Engländerin, verliess im Alter von 22 die Schweiz überstürzt und lebte mit der vermeintlichen Frau meiner Träume ein Jahr in Manchester, bis sich die Liebe als Trug herausstellte.

Aussichts- und Planlos kehrte ich in die Schweiz zurück, um kurz darauf mit meinem wenigen Hab und Gut, ins noch vom Krieg erschütterte Sierra Leone zu reisen. Das Ersparte steckte ich in einen kleinen Laden für Güter aus Europa. Freetown, eine Stadt zwischen Aufbruch und totaler Armut, würde ich langsam und eindrucksvoll sagen. Hier reich, dort arm. Und dann würde ich von diesen Menschen erzählen, von ihrem Lachen. Sie lachten immer, diese armen Menschen. Kein Geld, kein Haus, keine Arbeit, aber auch kein Krieg. Das ist wahres Glück. Und ich würde auch die Blicke nicht auslassen. Die Blicke die sich in meine Haut brannten und wo man sich vorstellen kann, wie sich die ersten Afrikaner in Europa fühlen mussten.

Und vielleicht würde ich auch aus meiner Kindheit erzählen, wo mein Grossvater noch lebte und wie er mich auf seine Wanderungen in den valliser Bergen mitnahm. Er zeigte mir all die Wunder der Natur. Die Berge, die Tiere, die Blumen und die Bäume. Er kannte wohl hundert Blumen oder noch mehr, mir kommt nicht ein einziger Namen in den Sinn.
Und falls mir die Zuhörer gefallen würden, würde ich vielleicht berichten wie ich damals in der rebellischen Jugendzeit ausgerissen bin. Mit einem Stück Brot, einem Apfel, fünf Franken und meinem Taschenmesser im Rucksack, entfernte ich mich mit grossen Schritten und breitem Grinsen vom Elternhaus. Bis zum Bahnhof schwand mein Enthusiasmus etwas und nach dem studieren der Fahrpreise, kehrte ich zurück und war wieder im Bett bevor auch nur die Sonne aufging. Meine Eltern erfuhren nie davon.
Aber kurze Zeit später, verbesserte sich das Verhältnis zu meinen Eltern. Ich weiss nicht obs an jenem Erlebnis lag oder an der ersten Freundin. Hat ein Jüngling erstmal erlebt wie einem das Herz fast aus der Brust springen kann, beim Kuss eines Mädchens, das man inigst zu lieben glaubt, wird man durch Kleinigkeiten im Elternhaus nicht aus der Ruhe gebracht.

Und so würde ich dann auch meine anderen Lebensweisheiten erzählen, von der Macht der Liebe, vom ewigen Leben der Seele, von der Wichtigkeit des Nichtshabens für die Glücklichkeit, vom Tode und von der Manipulierbarkeit der Menschen.

Und irgendwann hätte ich mich an den staunenden Blicken der Männer und an den verliebten der Frauen genug ergötzt. Dann würde ich mich zurück ziehen, würde die Leichtgläubigkeit der Leute belächeln, würde mir vornehmen diese Erkenntnis beim nächsten Mal zu erwähnen und dann würde ich in den par echten Erinnerungen schwelgen und dabei meinen Martini geniessen, ohne Olive, das mag ich nicht.

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2 comments to " Martini ohne Olive "

  1. Eine unendliche Geschichte? « WeitWeg says:

    [...] jedoch seit bald einem Monat nichts Neues mehr geschrieben wurde, werfe ich dieses Stöckchen dem Autor ohne Talent zu. Soll er uns doch endlich wieder beweisen, dass er keines hätte - Talent meine ich ! Außerdem [...]

    May 24th, 2008 at 10:05 am

  2. lexxa says:

    Hello Herr Autor!
    Wird noch geschrieben hier bei dir??
    Ich hätte da ne kleine Anregung - würde mich echt freuen, wenn du Zeit hättest und dieses “Stöckchen” von mir (uns allen) annimmst!
    Falls nicht, lass es mich bitte wissen, denn dann gebe ich es an jemand anderen ab..
    Liebe Grüße!

    May 25th, 2008 at 8:26 am

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